Hallo, liebe Delfin-Freunde, hier ist wieder euer FINN!

(Foto: Wikimedia)
Habt ihr Lust auf ein „Meerchen“, das sich unter Wasser abspielt? Also, los geht’s … (Ich weiß natürlich, dass es eigentlich „Märchen“ heißt. Aber ich habe die Schreibweise – passend zum Thema – etwas abgewandelt …)
Wie KIKI ein neues Zuhause fand
Ein Sturm ließ die Wellen zu haushohen Bergen emporwachsen. Weder Mensch noch Tier wagten es, sich an der Wasseroberfläche aufzuhalten – zu sehr peitschte die Gischt gegen alles, was sich ihr in den Weg stellte.
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Doch auch unter Wasser spürte man das Unwetter.
KIKI, die Seeanemone, versuchte mit aller Kraft, sich auf dem Meeresgrund festzukrallen. Doch da war es auch schon geschehen: Sie wirbelte plötzlich ohne Halt in dem wogenden und tosenden Meer umher.

KIKI war schon ganz schön schwindelig zumute, als sie endlich in ruhigere Gewässer getrieben wurde und sich mithilfe ihrer Fußscheibe am Boden anhaften konnte. Doch in dieser Gegend kannte sie sich überhaupt nicht aus.
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Die Seeanemone hatte das Gefühl, dass ihr von überallher erboste Blicke entgegen funkelten. War ihre Anwesenheit im Korallenwald etwa unerwünscht?

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Langsam hüpfte KIKI ein Stück weiter und lehnte sich schließlich erschöpft an einen kleinen Hügel.
Dieser begann plötzlich zu sprechen: „Wer bist du und was suchst du hier?“, fragte die Meeresschildkröte, die den Hügel lebendig werden ließ.
„Ich bin ein Blumentier und möchte ein schönes Plätzchen finden, an dem ich frohen Herzens hüpfen kann und an dem ich willkommen bin.“
„Das wird schwierig“, entgegnete die Schildkröte. „Überall lauern Gefahren. Schau dich um: Dort drüben ist ein Netz. Darin verfangen sich Fische und andere Meeresbewohner. Und hörst du das laute Brummen? Es stammt von Schiffen, die unseren Lebensraum durchpflügen. Vor allem vor den Propellern musst du dich in Acht nehmen.“
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Als KIKI von der Schildkröte außerdem erfuhr, dass diese nicht – wie sie selbst – auf der Suche nach einem festen Platz war, sondern immer große Wanderungen zurücklegte, hüpfte sie traurig zur Seite. Sie schien nirgends willkommen zu sein.
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Doch was war das? Das Blumentier sah ein lächelndes Gesicht auf sich zuschwimmen.
„Bist du auch alleine?“, fragte der graue Delfin.
„Du etwa auch?“, fragte KIKI zurück.

„Ja, ich habe im Sturm meine Freunde verloren“, erklärte der Delfin.
„Warum lächelst du dann?“, wollte KIKI wissen. „Du müsstest doch eigentlich traurig sein“
„Die Natur hat mir ein ewiges Lächeln aufs Gesicht gezaubert“, entgegnete der Delfin.
„Lass uns zusammen auf die Suche begeben. Du hältst Ausschau nach deinen Freunden und ich halte Ausschau nach einem Ort, der mir gefällt.“
Der Delfin war nicht abgeneigt, die Suche nach seinen Artgenossen in Begleitung fortzusetzen.
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„Darf ich mich mit meiner Fußscheibe an deinem Rücken festhalten?“, bat KIKI den Delfin.
„Kein Problem“, antwortete der Delfin. „Ich bin es gewöhnt, dass ich als Taxi genutzt werde. Immer wieder saugen sich Schiffshalterfische an mir fest, wenn sie große Entfernungen zurücklegen wollen.“
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Nachdem er mit KIKI auf dem Rücken eine Weile geschwommen war, bremste er abrupt ab und drehte sich im Kreis. „Gefällt es dir hier?“, wollte er von der Seeanemone wissen.
KIKI staunte. Sie waren an einem Ort, an dem sich viele bunte Fische, Seeanemonen und andere Blumentiere befanden. Der Platz war von Felsen umgeben, welche die Brandung abhielten. Hier konnte sich KIKI ruhig niederlassen.
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Und auch der graue Delfin war glücklich. Denn in der Lagune, in die er geschwommen war, befanden sich einige seiner Artgenossen.
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Nachdem die Delfine sich einander mit Pfeiflauten vorgestellt hatten, erkundeten sie ihr neues Revier. Hier fanden sie genug zu fressen und hier bestand keine Gefahr, in Netzen gefangen oder von Schiffen überfahren zu werden. Auch die Stürme tobten hier nicht so heftig wie auf dem offenen Meer.

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Sowohl KIKI als auch der graue Delfin waren auf ihre Kosten gekommen und hatten ein neues Paradies gefunden.
Wer spielt in der Geschichte mit?
Seeanemone KIKI: Seeanemonen gehören – wie die Korallen – zu den Blumentieren. Doch sie leben nicht in einer großen Kolonie (wie die Korallen), sondern sind Einzelgänger. Mit einer Fußscheibe können sie sich langsam vorwärtsbewegen.
Der graue Delfin: Delfine sind eigentlich keine Einzelgänger, sondern leben in sogenannten Schulen (das sind größere Gruppen). Doch manche von ihnen verlieren ihre Gruppe, wenn zum Beispiel ein heftiges Unwetter tobt.
Die Meeresschildkröte: Sie lebt auf hoher See und in Küstengebieten. Ihre Füße sind in Paddel umgewandelt. Ihren Kopf kann sie – im Gegensatz zu den mit ihr verwandten Landschildkröten – nicht einziehen. Sie legt große Wanderungen zurück.
Schiffshalterfische: Das sind schlanke Fische, die am Kopf eine Saugplatte haben. Mit dieser heften sie sich rücklings an große Fische oder Meeressäuger an. So können sie lange Strecken zurücklegen, ohne sich selbst bewegen zu müssen. Wahrscheinlich befreien die Fische ihr „Taxi“ im Gegenzug vor lästigen Parasiten. Ihren Namen haben sie erhalten, weil sie sich auch an Schiffsrümpfen festsaugen.
Bis zum nächsten Meerchen (oder Märchen)!
Euer FINN
Inhaltsangabe
